Zur Homepage des Warburg-Hauses Publikationen und Ausstellungen
 
Informationen über die Aby-Warburg-Stiftung
Informationen zum Warburg-Haus
Veranstaltungen und Gäste des Warburg-Hauses
Leben und Werk Aby M. Warburgs
Das Warburg-Archiv Warburg-Kolleg
Forschungsstelle Politische Ikonographie
Kunstgeschichte im Nationalsozialismus AKTUELLE SEITE - [Publikationen und Ausstellungen des Warburg-Hauses]
Die Arbeitsstelle Cassirer-Edition
The Warburg Institute London
Bücherwand [Ausschnitt aus Photographie]

 

Studien aus dem Warburg-Haus

Herausgegeben von Wolfgang Kemp, Gert Mattenklott, Monika Wagner und Martin Warnke, Berlin (Akademie Verlag) 1998ff.

Band 1, Band 2, Band 3, Band 4 , Band 5, Band 6, Band 7, Band 8
Band 9, Band 10


Studien aus dem Warburg-Haus, Band 1

Erwin Panofsky
Deutschsprachige Aufsätze

Herausgegeben von Karen Michels und Martin Warnke

1998. XXIV, 1.175 Seiten - 492 Abb. - 170 x 240 mm
Gb, in 2 Teilbänden  € 84,80
ISBN 3-05-002764-9

Erwin Panofsky war der erste Ordinarius für Kunstgeschichte der Hamburgischen Universität und gehörte mit Aby Warburg, Gertrud Bing, Fritz Saxl und Ernst Cassirer zu dem einzigartigen Gelehrtenkreis um die Kulturwissenschaftliche Bibliothek Warburgs.

Wie die Warburg-Bibliothek wurde auch Panofsky und mit ihm zahlreiche seiner Schüler im Jahre 1933 in die Emigration getrieben.

Dies bedeutete die Zerschlagung einer modernen, aufgeklärten Kunstgeschichte in Deutschland, die dann aber international Karriere  machte, als Panofsky die Vorgaben und Anregungen der Hamburger Zeit in Amerika zur wohl bedeutendsten bildanalytischen Methode dieses Jahrhunderts verdichtete.

Mit den gesammelten deutschsprachigen Aufsätzen wird das  wissenschaftliche Frühwerk Panofskys, seine Formung durch das intellektuelle Klima des Warburg-Kreises und die akademische Kultur der zwanziger Jahre in Hamburg zum ersten Mal in seiner ganzen Dichte erkennbar.

In fünf Abteilungenwerden insgesamt 58 umfangreiche Abhandlungen, Rezensionen und Miszellen versammelt. Die Herausgeber haben in knapp gehaltenen Anmerkungen jedem Beitrag einen Kurzkommentar aus heutiger Sicht zugefügt.

zum Seitenanfang

Studien aus dem Warburg-Haus, Band 2

Karen Michels
Transplantierte Kunstwissenschaft
Die deutschsprachige Kunstgeschichte im amerikanischen Exil

1999. XVII, 255 S. - 50 Porträtabbildungen - 170 x 240 mm
Gb, € 49,80
ISBN 3-05-003276-6

Erst spät hat die deutschsprachige Kunstgeschichte registriert, dass sie durch die nationalsozialistische Verfolgungspolitik etwa ein Viertel ihrer Fachvertreter verloren hat.

Die meisten dieser aus Deutschland und Österreich vertriebenen Wissenschaftler fanden in den Vereinigten Staaten Aufnahme. Auf die Universitäten und Colleges des Landes verteilt, haben sie nahezu eine geschlossene Kunsthistorikergeneration ausbilden und die amerikanische Kunstgeschichte mit vielfältigen thematischen und methodischen Impulsen versehen können.

Besonders einflussreich erwies sich der ursprünglich von der Hamburger Schule, allen voran von Erwin Panofsky, entwickelte ikonologische Ansatz. Umgekehrt ist auch von den europäischen Gelehrten das neue intellektuelle und soziale Milieu oft mit Gewinn rezipiert worden.

Eben diesen wissenschaftlichen Amalgamierungsprozeß versucht das vorliegende Buch systematisch zu rekonstruieren. Es versteht sich als Kollektivbiographie des kunstgeschichtlichen Exils, die sowohl nach den Leistungen der Emigranten als auch der Reaktion des Aufnahmelandes fragt.

zum Seitenanfang


Studien aus dem Warburg-Haus, Band 3

Dieter Blume
Regenten des Himmels
Astrologische Bilder in Mittelalter und Renaissance

2000. 496 Seiten - 45 Farb- und 280 Schwarz-Weiß-Abb. - 210 x 280 mm
Gb mit Schutzumschlag. € 99,80
ISBN 3-05-003249-9

Sonne und Mond sowie die übrigen Planeten treten im vormodernen Kosmos als Regenten des Himmels auf, deren Bedeutung sich den Menschen aber erst im Laufe des Mittelalters wieder neu erschlossen hat. Diese Wiederentdeckung der Astrologie steht im Zusammenhang eines spannenden Wissensaufbruchs seit dem 11. Jahrhundert, der die Grundlagen für die Entwicklung des neuzeitlichen Weltbildes legte. Doch ließ das Bemühen um eine rationale Erklärung des Kosmos zugleich auch das Bedürfnis nach neuen Bildern entstehen. Erst deren Anschaulichkeit sicherte den neuen Kräften einen dauerhaften Platz in der Welt der Vorstellungen.

Dieter Blume untersucht über fünf Jahrhunderte, vom 11. bis zum Ende des 15. Jahrhunderts, das Wechselspiel geschriebener Texte und gemalter Bilder, das für die Bedeutung der Himmelskunde im spätmittelalterlich-frühneuzeitlichen Weltbild eine so entscheidende Rolle spielt. Von daher kommen Literaten und Wissenschaftler wie Bernardus Silvestris, Michael Scotus, Giovanni Boccaccio oder Oswald von Wolkenstein ebenso zu Wort wie Giotto, Baccio Baldini und andere, vielfach namenlose Künstler. Dabei zeigt sich allerdings, daß an den Schaltstellen der Phantasie die Bildentwürfe der Maler oft einflussreicher sind als die präziseren Informationen der Gelehrten.

Die Geschichte astrologischer Bilder wird über alle eingefahrenen Epochenschwellen hinweg als ein Strang jenes langwährenden und über Jahrhunderte reichenden Umbruchs vom Mittelalter zur Neuzeit rekonstruiert. Das jeweils unterschiedliche Interesse an Bildern und der wechselnde Gebrauch, den man von ihnen macht, wird an den Planetendarstellungen exemplarisch verfolgt sowie zusammen mit den entsprechenden literarischen und wissenschaftlichen Texten als Teil einer Geschichte der menschlichen Fiktionen geschildert.

zum Seitenanfang

Studien aus dem Warburg-Haus, Band 4

Ehrlicher, Hanno
Die Kunst der Zerstörung
Gewaltphantasien und Manifestationspraktiken europäischer Avantgarden

2001. 542 S. – 3 Farb- und 63 s/w. Abb. – 170 x 240 mm Gb, 
DM 126,74 / € 64,80 
ISBN 3-05-003646-X 

Die inzwischen „klassischen“ Avantgardebewegungen des frühen 20. Jahrhunderts erregten die Aufmerksamkeit ihrer Zeitgenossen nicht zuletzt durch eine drastisch vorgetragene rhetorische Gewaltbereitschaft, die sich bis zum zynischen Gestus der Menschheitsvernichtung steigern konnte. Noch die moderne Avantgardeforschung reagierte auf diese Provokation vor allem moralisch, mit der Diskussion um Sinn und Legitimität einer derartigen Kunst der Zerstörung. Die Folge waren ideologiekritische Verurteilungen einerseits, andererseits Versuche, die symbolischen Aggressionen der selbsternannten Künstler-Herrscher als bloßen Ausdruck ästhetischer Subjektivität zu begreifen. Dagegen wurde das performative Potential einer gestisch in den symbolischen Formen der Kunst ausgelebten Gewalt weitgehend übersehen. 

Hanno Ehrlicher tritt diesem Defizit entgegen und nimmt die inszenatorisch - theatralische Dimension avantgardistischer Gewaltphantasien in den Blick. Dem Manifest kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, fungierte es doch als das bevorzugte Medium für die Formulierung des phantasmatischen Anspruches, mit den Mitteln der Kunst eine neue Gesellschaftsordnung nach der Vernichtung der alten zu schaffen. 

Mit dem italienischen Futurismus wurde das Manifest von einem publizistischen Texttypus, der die Produktion autonomer „Werke“ begleitete, zum zentralen Element einer gattungsübergreifenden Kunstpraxis ausgeweitet, die bis in die Details der Kleidungs- und Ernährungsgewohnheiten hinein das Alltagsleben der Menschen neu programmieren wollte. Nach dem Auftakt des Futurismus mit dem Gründungsmanifest im Jahr 1909 versuchten die europäischen Avantgarden besonders in der Zeit zwischen den Kriegen, sich durch spektakuläre Manifestationspraktiken militant gesellschaftliche Geltung zu verschaffen. Sie verrückten die Grenze zwischen ästhetischer Imagination und sozialem/ politischen Kontext ständig neu mit publikumswirksamen „Aktionen“, die oft gleichzeitig von Autonomisierungs- und Entautonomisierungsimpulsen geprägt waren und keiner kohärenten ästhetischen Theorie folgten. 

Die ausführliche Analyse von fünf unterschiedlichen Kunstströmungen macht deutlich, dass jede „Bewegung“ einen ihrer jeweiligen ort - und zeitspezifische Situation entsprechenden, von improvisatorischem Kalkül bestimmten Verlauf nahm, und sich das imaginäre kunstpolitische „Projekt“ der Avantgarden deshalb nicht auf einen einfachen gemeinsamen Nenner bringen lässt. Außer den bekannten Avantgardebewegungen Futurismus, Dadaismus und Surrealismus werden in dieser Studie zum ersten Mal auch der spanische Ultraismus und der englische Vortizismus in einer breiten kulturvergleichenden Perspektive vorgestellt. 

zum Seitenanfang

Studien aus dem Warburg-Haus, Band 5

Barabara Naumann, Birgit Recki (Hrsg.)
Cassirer und Goethe
Neue Aspekte einer philosophische-literarischen Wahlverwandtschaft
2002. XX, 225 S. – 170 x 240 mm, Festeinband, € 34,80
ISBN 978-3-05-003723-3

Der Philosoph Ernst Cassirer liest Goethe als einen Autor von philosophischer Dignität. Er bringt Goethes Texte auf eine individuelle Weise erneut zum Sprechen, indem er sie im Licht seiner eigenen Theorie liest und an ihnen exemplarisch werden läßt, wie eine symboltheoretisch begründete Kulturphilosophie im umfassenden Sinne zu verstehen sei.
Die Aufsätze des Bandes betreten wissenschaftliches Neuland in zwei Richtungen: Indem sie nach der philosophischen Rezeption eines Dichters im Werk des Theoretikers fragen, dem wir die elaborierteste Kulturphilosophie des 20. Jahrhunderts verdanken, präsentieren sie zugleich eine Facette des Wirkens Goethescher Dichtung und Theoriebildung in der zeitgenössischen Philosophie, die bisher in der Forschung wenig Beachtung gefunden hat. Hier wird ein Themenbereich angesprochen, der durch die universale Gelehrsamkeit Goethes wie Cassirers aus sich selbst heraus und par excellence die Notwendigkeit des interdisziplinären Zusammenspiels der Fächer erkennen läßt.

zum Seitenanfang

Studien aus dem Warburg-Haus, Band 6

Wolfgang Brassat
Das Historienbild im Zeitalter der Eloquenz
Von Raffael bis Le Brun
2003. XXXV, 431 S. – 152 Abb. – 170 x 240 mm, Festeinband, € 74,80
ISBN 978-3-05-003757-8

Es ist seit langem bekannt, dass die Kunsttheorie der Frühen Neuzeit auf rhetorischen Grundlagen fußte. Wie Borinsky, Spencer, Bialostocki, Baxandall, Summers, Warncke und weitere Autoren dargelegt haben, machten die humanistischen Kunstliteraten gemäß des Horazschen Diktums „ut pictura poesis“ und eines sprachanalogen Bildverständnisses zahlreiche terminologische und gedankliche Anleihen bei der antiken Rhetorik und verglichen immer wieder den Maler mit dem Redner und dem Dichter. Ist die rhetorische Fundierung der frühneuzeitlichen Theorie der Malerei weitgehend aufgearbeitet worden, so blieb gleichwohl fraglich, welche Relevanz sie für die künstlerische Praxis hatte, da man rhetorische Merkmale an Gemälden bisher nur punktuell nachweisen konnte.
Von diesem Forschungsstand ausgehend, sucht der Autor die rhetorische Instrumentierung des Historienbildes des 16. und 17. Jahrhunderts zu belegen. Brassat behandelt in seiner perspektivischen Studie rhetorische Gestaltungsmerkmale und Verfahrensweisen in Werken von Raffael, Vasari, Salviati, Tintoretto, Rubens, Velázquez, Le Brun u.a. und erprobt damit erstmalig auf dem Terrain der Kunstgeschichte das Paradigma der Rhetorik in der „longue durée“.

zum Seitenanfang

Studien aus dem Warburg-Haus, Band 7

Simone Michel
Die Magischen Gemmen
Zu Bildern und Zauberformeln auf geschnittenen Steinen der Antike und Neuzeit
2004. 582 S. – 8 Farb- und 384 s/w-Abb. – 170 x 240 mm, Festeinband, € 128,–
ISBN 978-3-05-003849-0

Magische Gemmen, kleine »kraftgeladene« Edel- und Schmucksteine mit eingeschnittenen Bildern und Inschriften, dienten in der Antike als Amulette. Die Autorin nutzt als Basis für ihre umfassende Darstellung eine sammlungsübergreifende Auswahl von ca. 2.600 Stücken. Sie sind nach Motiven gruppiert und mit technischen Daten sowie Kurzbeschreibungen in einer Materialliste nach Motivgruppen zusammengestellt. Im umfangfreichen Abbildungsteil werden meist bislang unpublizierte Gemmen in Zeichnungen und Photographien vorgestellt oder sie zeigen die in früheren Publikationen nur in Gipsabdruck oder -abguß abgebildeten Stücke erstmals in Originalphotographien.

zum Seitenanfang

Studien aus dem Warburg-Haus, Band 8

Cornelia Zumbusch
Wissenschaft in Bildern
Symbol und dialektisches Bild in Aby Warburgs Mnemosyme-Atlas und Walter Benjamins Passagen-Werk
2004. VIII, 388 S. – 16 Abb. – 170 x 240 mm, Festeinband, € 59,80
ISBN 978-3-05-004056-1

Die Studie nähert sich dem Mnemosyne-Atlas und dem Passagen-Werk über einen Vergleich ihrer zentralen Bildbegriffe, dem Symbol bei Warburg und dem dialektischen Bild bei Benjamin. Entlang der Motivkomplexe Symptom/Erinnerung, Ausdruck/Leiblichkeit und Symbol/Allegorie sowie mithilfe von drei gemeinsamen Dritten – Freud, Cassirer und Goethe – rekonstruiert die Autorin die methodischen Prämissen einer Wissenschaft an und in Bildern. Warburgs humanistisch motivierte Renaissanceforschung und Benjamins marxistisch informiertes Stück Geschichtsphilosophie des neunzehnten Jahrhunderts, die Bildersammlung eines Kunsthistorikers und die Exzerpt- und Aphorismensammlung eines Philosophen zeigen nämlich eine auffällige Parallele: Beide bemühen sich um eine neue Form der anschaulichen Geschichtsdarstellung. Während Warburg im Mnemosyne-Atlas die Geistesgeschichte der Neuzeit anhand ihrer bildlichen Symbole sichtbar machen will, faßt Benjamin Bauten, soziale Typen und andere kulturelle Phänomene des 19. Jahrhunderts als "dialektische Bilder". Mit Freuds Symptombegriff deutet die Autorin den Mnemosyne-Atlas und das Passagen-Werk als Archäologien der Moderne, die auf die Ausgrabung und Distanzierung von verschütteten Wunsch- und Angstbildern zielen. Auf der Folie von Cassirers Ausdrucksbegriff faßt sie die Denkfiguren Geste, Gestus und Gestalt als Metaphern auf, die das Leib-Seele-Verhältnis auf die Beziehung von Bild und Bedeutung übertragen und dabei eine dritte Bildform zwischen der geläufigen Unterscheidung von Symbol und Allegorie anvisieren. In Warburgs und Benjamins Rekurs auf Goethes Naturwissenschaften – den Begriff der Metamorphose und des symbolischen Urphänomens – weist sie schließlich den Versuch nach, die Grenzen zwischen Wissenschaft und Kunst neu zu ziehen.

zum Seitenanfang

Studien aus dem Warburg-Haus, Band 9

Dietrich Erben
Paris und Rom
Die staatlich gelenkten Kunstbeziehungen unter Ludwig XIV.
2004. XX, 409 S. – 118 Abb. – 170 x 240 mm, Festeinband, € 69,80
ISBN 978-3-05-003851-3

Die Frage nach den historischen Bedingungen und Möglichkeiten für den Anspruch Frankreichs auf die kulturelle Hegemonie innerhalb der europäischen Staatenwelt steht im Mittelpunkt des Buches. Ein solcher Anspruch gewann unter der Regierung Ludwigs XIV. (1661–1715) in Kunst und Architektur maßgeblich am Vorbild Roms Gestalt. Mit dieser Orientierung ist auch die Grundabsicht der französischen Kulturpolitik in dieser Epoche benannt. Sie zielte auf die Ablösung der politischen und geistlichen Titel, die Rom zu vergeben hatte, und auf den Erwerb des Status einer Universalmonarchie. Diese Zielsetzung wurde für eine kunstpolitische Programmatik bestimmend, die bis in die Renaissance zurückreicht, doch unter Ludwig XIV. eine militant gesteigerte Dynamik entfaltete. Eine umfassende Rekonstruktion der Kunstbeziehungen zwischen Paris und Rom im historischen und ideengeschichtlichen Kontext belegt nicht nur deren Dauer und Intensität. Sie erschließt mit den stilistischen Prägungen auch den grundsätzlichen Programmcharakter der Hofkunst Ludwigs XIV.

zum Seitenanfang

 

Studien aus dem Warburg-Haus, Band 10

Christine Tauber
Manierismus als Herrschaftspraxis
Die Kunst der Politik und die Kunstpolitik am Hof von François I

2009. V, 452 S., 87 schwarz-weiße Abbildungen, 50 farbige Abbildungen, gb.
€ 79,80
ISBN 978-3-05-004565-8

Als dezidierter Beitrag zur Kunst- und Kulturgeschichte des Politischen fragt das Buch nach der Inanspruchnahme von Kunst zur Herrschaftsrepräsentation, nach Ritualen und Zeichensystemen der Macht am französischen Königshof in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Kunstförderung und Herrschaftshandeln werden hierbei als strukturhomologe Strategien eines (früh)modernen Politikmodells analysiert. Die Entscheidung für einen spezifisch „modernen“ Kunststil – den italienischen Manierismus – wurde für den französischen König François Ier zum Politikum: Er schuf sich in Fontainebleau ein Reich mit künstlerischen Mitteln, über das er jederzeit im Sinne der Deutungshoheit als Herrschaftsakt verfügen konnte.

Kunstwerke von Rosso Fiorentino, Benvenuto Cellini und Primaticcio, die in ihrer Skurrilität und Vielschichtigkeit die sinnliche Ausgangsevidenz für eine lohnende Betrachtung bieten; historische Szenen auf höchster machtpolitischer Ebene, die sich in ihrer kommunikativen und zeremoniellen Funktion erst dem ethnographisch-verfremdenden Blick erschließen; schließlich ein höfisches Milieu, in dem Intellekt, Macht, Witz, Hermetik und Erotik eine unauflösliche Verbindung eingehen: Was könnten reizvollere Quellen für die Erschließung der Spezifika von Manierismus und Herrschaftspraxis am französischen Hof im Kontext des europäischen Mächtesystems nach 1500 sein?

zum Seitenanfang

 

Stand: Februar 2009


 

Akademie Verlag Berlin.
(Zum Seitenanfang) Fragen und Anregungen: webmaster

(C) 2009 Warburg-Haus Hamburg. Alle Rechte vorbehalten.