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6. Auftraggeber und Öffentlichkeit

 

 

Druckversion Nationaldenkmäler  
  Die Frage nach den Auftraggebern der Nationaldenkmäler und den Reaktionen der Öffentlichkeit auf die Monumente gibt auch Aufschluß über die sozialen Träger des Nationalbewußtseins im 19. Jahrhundert. Eine treibende Kraft war das Bürgertum, das seit dem 18. Jahrhundert in Abgrenzung von den, durch Geburt oder Erwählung legitimierten Eliten des ancien régime eine auf Verdienst und Funktion bauende Identität ausbildete. Im Unterschied zur alten, international agierenden Führungsschicht war der Bildungs- und Kulturbegriff dieser neuen bürgerlichen Elite national ausgerichtet.

In Deutschland blieben die ersten vom Bürgertum initiierten Denkmäler mit nationalem Anspruch zunächst ungebaut. Das gilt etwa für das von Ernst Moritz Arndt 1814 vorgeschlagene Denkmal zur Leipziger Völkerschlacht, das den Gefallenen und dem Volk als Täter dieser bedeutenden Tat geweiht sein sollte, wie auch für ein seit 1801 geplantes Lutherdenkmal, mit dem der Reformator als nationale Identifikationsfigur geehrt werden sollte. Die Gründung einer "vaterländisch-literarischen Gesellschaft" zur Realisierung des Lutherdenkmals wurde jedoch wegweisend für die späteren bürgerlichen Denkmalsprojekte.

   
 

Eines der größten Bauvorhaben in diesem Zusammenhang ist sicherlich das Hermannsdenkmal bei Detmold im Teutoburger Wald. Seit 1819 verfolgte der Bildhauer und Architekt Ernst von Bandel den Plan, "für das gesamte deutsche Volk und von demselben" ein Nationaldenkmal an dem Ort zu errichten, an dem sich der Sieg des Cheruskerfürsten Hermann über die römischen Truppen unter Varus 9 n. Chr. mutmaßlich zugetragen hatte. Mit Baubeginn 1838 rief Bandel, der sein gesamtes Privatvermögen in das Denkmal investierte, die Bevölkerung zu Spenden auf, und in ganz Deutschland wurden Denkmalsvereine gegründet, die Geld für dieses, Befreiung und Einigung symbolisierende Monument sammelten. Schon bald zeigte sich aber, daß die Spenden für das mehr als 50 m hohe Denkmal nicht ausreichen sollten. Zudem kam Kritik am patriotischen Enthusiasmus und seiner Bauwut auf. Nachdem der Bau 1846 völlig zum Erliegen gekommen war, brachte die neu belebte Nationalbewegung zu Beginn der 60er Jahre die Arbeiten wieder in Gang, die letztlich aber nur mit finanziellen Zuschüssen des Kaisers vollendet werden konnten.

 

   
  Tatsächlich wurden die meisten Nationaldenkmäler entweder durch die finanzielle Hilfe eines Monarchen gefördert oder aber, wie im Falle der Walhalla oder der Kaiser-Wilhelm-Denkmäler, als Ganzes von der Regierung geplant und realisiert. Aber auch bei den letztgenannten Denkmalsbauten war die Einbeziehung der Bevölkerung wesentlich. So wurden mit großem Aufwand anläßlich von Grundsteinlegungen, Fertigstellung, Jahrestagen usw. patriotische Feste an den Nationaldenkmälern organisiert, die die Möglichkeit boten, die Bevölkerung mit dem Herrscher im Geiste der Nation zu vereinen. Als 1875 die Einweihung des Hermannsdenkmals in Anwesenheit des Kaisers und zahlreicher Fürsten sowie der Bevölkerung, meist organisiert in Sänger-, Turner-, Krieger- oder Studentenvereinigungen, die aus ganz Deutschland zu diesem Anlaß angereist waren, enthusiastisch gefeiert wurde, war die in Inschriften und Reden beschworene Einigkeit Deutschlands für alle Beteiligten ein Erlebnis, das sie an diesem Tag auch sinnlich erfahren konnten.

Die Nationaldenkmäler sind also im wesentlichen vom Staat oder staatstragenden Gruppen, nicht von der Opposition gebaut worden, wie Nipperdey betont hat. Inhalt und Aufwand der Monumente ließen sich aber nur noch rechtfertigen, wenn die Interessen von Staatsgewalt und Bevölkerung zum Ausgleich kamen und beide sich gleichermaßen als Träger der Denkmäler verstanden.

 

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