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Politische Ikonographie >>Nationaldenkmäler >> Denkmalstopographie

 

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5. Denkmalstopographie

 

 
               
  Im Unterschied zu den älteren Herrscherdenkmälern, die meist an zentralen Orten in der Stadt aufgestellt wurden und damit symbolisch auf die Verankerung der politischen Macht in der Mitte der Gesellschaft verwiesen, halten die großen Nationaldenkmäler des 19. Jahrhunderts auffallend Distanz zu den Städten. In der topographischen Situation der Denkmäler kommt ein besonderes Verhältnis zur Natur zum Ausdruck, in dem die Natur Teil einer politischen Inszenierung werden konnte. Distanz und Erhabenheit waren zentrale Elemente des romantischen Naturempfindens, das in der Natur Chiffren für verborgene Kräfte vorfand. So konnten die Nationaldenkmäler aus der natürlichen Umgebung eine Symbolhaftigkeit für sich generieren, die auch ihrer politischen Bedeutung zugute kam.      
 

 

     
               
           
           

 

 

 

 

 

 

 

Wie gezielt die landschaftliche Umgebung und das natürliche Licht zur Inszenierung einer politischen Botschaft eingesetzt wurde, zeigt wiederum die Walhalla. Auf zeitgenössischen Ansichten ist der Tempel aus westlicher Richtung im rosigen Licht der aufgehenden Sonne, aus östlicher Richtung bei Sonnenuntergang vor einem Panorama mit der romanischen Salvatorkirche und Regensburg in der Ferne zu sehen. Hier kommt ein zeitgenössisches Analogiedenken zum Tragen, demzufolge die Antike mit dem Orient, das Mittelalter mit dem Okzident gleichgesetzt wurde. Indem das Denkmal im Morgenlicht als Tempel vor der im Orient aufgehenden Sonne, im Abendlicht in einer Verbindungslinie mit dem gotischen Regensburger Dom erschien, ordnete es sich und die Heldenehrung in der Gegenwart ein in die großen geschichtlichen Entwicklungen seit der Antike ein. Diese symbolische Verbindung von Natur und Geschichte vermittelt sich dem Besucher auch beim Aufstieg zum Denkmal durch ein Eichenwäldchen über geschwungene Wege, Treppen und Rampen. Dieses, an eine Wallfahrt erinnernde Prozedere sollte zu besonderen Anläßen feierlich inszeniert werden.

     
  Auf ähnliche Weise wurde die topographische Lage der zahlreichen, gegen Ende des 19. Jahrhunderts errichteten Wilhelm- und Bismarckdenkmäler für die Vermittlung nationaler Geschichte genutzt. Das Kyffhäuser-Denkmal etwa wurde zwischen 1892 und 1896 in Thüringen auf den Ruinen der sagenumwobenen Reichsburg Kyffhäuser errichtet, von der es hieß, der Geist Friedrich Barbarossas warte hier auf die Vollendung des Reiches. Daß sich mit der Reichseinigung unter dem Hohenzollernkaiser Wilhelm I. dieser geschichtliche Auftrag erfüllt habe, wird dem Besucher sinnlich vermittelt. Die Regie des Architekten führt ihn über Terrassen und Treppen zunächst in den Barbarossahof, wo ihn eine monumentale Thronfigur des langsam erwachenden Kaisers erwartet. Über diesem Sockelgeschoß erhebt sich ein Turmbau, der von einem Reiterdenkmal Wilhelms I. bekrönt wird und ebenfalls umlaufen werden kann. Dieser stufenförmige Aufbau des Denkmals entsprach dem geschichtlichen Entwicklungsdenken und versah die Person Wilhelms I. zugleich mit einer mythischen Aura: Unter seiner Regierung sei Deutschland von dem Trauma des unerlösten Reiches befreit worden. Auch für die Kaiser-Wilhelm-Denkmäler an der "Porta Westfalica" bei Minden und am "Deutschen Eck" bei Koblenz wurden entlegene, aber geschichtlich bedeutsame Orte zur Inszenierung einer Person eingesetzt, deren Bedeutung für die nationale Geschichte mythisch überhöht werde sollte.      
               
           
           
  Die etwa 700 nach 1895/96 errichteten Bismarck-Denkmäler überzogen das ganze Land wie ein gewaltiges Netz, mit dem die Erinnerung an den Kanzler der Reichseinigung über die gesamte Nation ausgebreitet wurde. Viele dieser monumentalen, auf Sockeln stehenden Denkmäler überragten die Landschaft, die wichtigsten von ihnen wurden in der Nähe deutscher Grenzen postiert. So erhebt sich das Hamburger Bismarck-Denkmal Hugo Lederers (1901-6) auf einem Hügel in Hafennähe und präsentiert den auf ein Schwert gestützten Politiker in der Tradition mittelalterlicher Rolandsfiguren als Wächter der deutschen Nation. An nationalen Gedenktagen sollten brennende Fackeln diese Denkmäler auch nachts leuchten lassen und das gesamte Land im Feuerschein geeinigt zeigen.      
 

Während die großen Nationaldenkmäler ihre Wirkung aus der räumlichen Distanz und dem Zusammenspiel mit einer mythisch überhöhten Natur entwickelten, hielten die Denkmäler deutscher Dichter- und Geisteshelden Einzug in die Städte. Wurden im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts zunächst nur vereinzelt solche Personendenkmäler errichtet, so besetzten seit den dreißiger Jahren immer mehr Denkmäler zentrale Orte und Plätze in den Städten. Mit ihnen wurden Persönlichkeiten der deutschen Kulturtradition wie Goethe und Schiller, Gutenberg, Luther oder Dürer geehrt. Ihre Omnipräsenz im ganzen Land - darin den Bismarckdenkmälern ähnlich - vermittelte Fülle und Kontinuität der deutschen Kultur als bedeutenden Bezugspunkt für das nationale Bewußtsein.

     
               
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