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4. "In welchem Stile sollen wir bauen?"
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| Die
lange Planungsphase der Walhalla von der Ausschreibung des Wettbewerbs 1814
bis zur Einweihungsfeier 1842 war geprägt von einer intensiven Auseinandersetzung
um die angemessene Form des Denkmals. Die Frage, in welchem Baustil ein
deutsches Nationaldenkmal zu errichten sei, gehörte zu einer grundsätzlichen
Kontroverse, die zwischen den Anhängern des Klassizismus und der als
deutschen Bauform verstandenen Gotik ausgetragen wurden.
In der Ausschreibung für die Walhalla war die Form eines griechischen Tempels dorischer Ordnung und damit eine Orientierung am Athener Parthenon vorgegeben worden. Von den 51 eingereichten, nicht mehr vollzählig erhaltenen Entwürfen berücksichtigten jedoch nicht alle die Vorgabe. So geht man heute davon aus, daß Karl Friedrich Schinkel und Daniel Joseph Ohlmüller Gebäude im "altdeutschen", gotisierenden Stil entwarfen, während Leo von Klenze und Haller von Hallerstein Entwürfe auf der Grundlage der griechischen Tempelarchitektur entwickelten. Als Kronprinz Ludwig schließlich Klenze, der zuvor mit der Münchner Glyptothek im griechischen Stil überzeugt hatte, mit dem Bau der Walhalla beauftragte, erwartete er von diesem wohl die beste Umsetzung der antiken Formensprache, die er aufgrund ihres hohen Ranges für das erste deutsche Nationaldenkmal für angemessen hielt.
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| Klenze selbst hielt aber inzwischen einen Rundbau nach dem Vorbild des römischen Pantheon für geeigneter: Obwohl die Form des griechischen Tempels die schönste und mathematisch beste Architektur sei, ließe sie sich nicht mit der Ehrung deutscher Helden im Inneren verbinden. Für das Heldengedenken habe man in Rom das Pantheon errichtet, schrieb er an Ludwig, denn "rund muß die sinnliche Vorstellung des Elisiums sein wie der ganzen Welt ... und würklich kann nur durch und in runder Form der gleiche Rang alles Verdienstes und aller Tugenden im Reich der Geister ausgesprochen werden." | |||||
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Letztlich entschied man sich aber doch für die ursprüngliche Idee eines Ringhallentempels, den Klenze um einen mächtigen, Festigkeit und Unzerstörbarkeit symbolisierenden Unterbau erweiterte. Dieser Baustil galt jedoch schon bei der Einweihungsfeier 1842 als nicht mehr zeitgemäß. Es wurde kritisiert, daß der antikisierende Stil ohne Rücksicht auf die besondere Funktion des Gebäudes verwendet worden sei. Jede Bauaufgabe erfordere jedoch eine eigenständige und angemessene Bauform - im Falle eines Nationaldenkmals den gotischen Stil. |
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Der Gedanke, die Gotik für eine nationale, deutsche Bauweise zu vereinnahmen,
findet sich schon früh in Goethes Aufsatz "Von deutscher Baukunst"
(1772). Die französischen Ursprünge der Gotik waren damals noch
nicht bekannt. So interpretierte etwa der Schriftsteller und Antiquar Sulpiz
Boisserée den emporstrebenden Spitzbogen als Symbol des "germanischen
Charakters". Diese politische Insturmentalisierung eines architektonischen
Stils trug maßgeblich zur Vollendung des Kölner Doms bei, der
im Zuge der Rückbesinnung auf die Gotik "wiederentdeckt"
wurde. Bereits 1814 veröffentlichte Joseph Görres einen viel beachteten
Artikel über den Kölner Dom, in dem er die Vollendung des Bauwerks
als Denkmal für die nationale Befreiung von der napoleonischen Herrschaft
forderte. Als 1823 die Baumaßnahmen begannen, wurde an dieses Großprojekt
auch die Idee eines Nationalstaates auf religiöser Grundlage geknüpft,
indem das Christentum als eine höhere, über den partikularen Interessen
der deutschen Einzelstaaten stehende Einheit galt.
In dieser Debatte um Wert und Bedeutung von Bauformen nahm der Architekt Heinrich Hübsch mit seinem 1828 veröffentlichten Buch "In welchem Style sollen wir bauen?" eine vermittelnde Position ein. Er forderte eine an praktischen Bedingungen ausgerichtete Reformarchitektur, die nicht mit zeichenhaften Stilzitaten arbeite, sondern den Bedürfnissen und gesellschaftlichen Anforderungen der Gegenwart entspreche. |
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