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2. Der Pantheon-Gedanke
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Mit
der Bezeichnung "Pantheon der Deutschen" nahm Kronprinz Ludwig
auf eine Denkmalform Bezug, deren Ursprung im religiösen Bereich liegt.
In der Antike war mit dem Namen Pantheon die Verehrung aller Götter
einer Religion verbunden. Das auf dem Marsfeld in Rom von Kaiser Hadrian
120-125 n. Chr. errichtete Pantheon ist das einzige erhaltene antike Bauwerk
dieses Namens. Die im Inneren des Rundbaus aufgestellten Götterstatuen,
die durch Porträts der ebenfalls als Götter verehrten Kaiser im
Vorraum ergänzt wurden, hatten eine einheits- und identitätsstiftende
Funktion für das große römische Imperium.
Als das Pantheon im Jahr 609 von Papst Bonifaz IV. in eine christliche Kirche umgewandelt und der Jungfrau Maria und allen Märtyrern geweiht wurde, behielt es seine Funktion als geistig-religiöses Zentrum bei. Das nun S. Maria Rotonda genannten Gebäude wurde Grabstätte für die Gebeine zahlreicher Märtyrer, den christlichen "Helden". An diesem Ort demonstrierte die neue christliche Staatsreligion lange Zeit ihre Macht über die alten Götter. |
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Seit dem Mittelalter nutzten Herrscher und Adelsfamilien die besondere Wirkmacht von Heiligengräbern, indem sie sich in ihrer Nähe bestatten ließen. Die adeligen Grablegen in Kirchen wurden zum augenfälligen Zeichen der Verbindung von Politik und Religion. Sie dienten nicht nur der Erinnerung an die Verstorbenen, sondern auch der Visualisierung politischer Macht. Die salischen Königsgräber in Speyer, die Grablegen der französischen Könige in St. Denis oder die der englischen Könige in Westminster gingen aus dynastischen Grabstiftungen hervor, die - institutionell verfestigt - zu Denkmälern eines politischen Herrschaftsraumes wurden. Mit der Bezeichnung 'Pantheon' für die Grabkapelle im Escorial knüpften die spanischen Könige auch sprachlich unmittelbar an das antike Vorbild an. |
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Die Erweiterung dieses dynastischen oder auf ein Amt bezogenen Memoria-Konzeptes vollzog sich in der Renaissance, als auch Personen aufgrund ihrer besonderen Verdienste Ehrengrabmäler in Kirchen erhielten. Raffael und Baldassare Perruzzi fanden ihre letzte Ruhestätte im römischen Pantheon, Dante, Alberti, Michelangelo und Galilei in der Florentiner Franziskaner-Kirche S. Croce und auch in Westminster Abbey finden sich neben den königlichen Grablegen zahlreiche Grabmäler und Gedenkstätten bedeutender englischer Persönlichkeiten. | ||||
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Diese Form der personalen Gedächtniskultur in sakralen Gebäuden wurde in Paris während der französischen Revolution explizit mit dem Gedanken der nationalen Identität verknüpft. 1791 hatte die Assemblée Nationale beschlossen, die soeben fertiggestellte Kirche der Hl. Genoveva zur Begräbniskirche für die Helden der Aufklärung und Revolution zu bestimmen, die christliche Kirche also in ein "Panthéon francaise" umzuwandeln. Auch an dieses Pariser Pantheon wird Ludwig, der 1806 anläßlich eines Parisaufenthaltes die Gedenkstätte kennenlernte, bei seinen Planungen für ein deutsches Nationaldenkmal gedacht haben. Im Unterschied zum französischen Pantheon ist in der Walhalla die Memoria aber nicht mehr an Grabstätten gebunden. Nipperdey hat daher die Walhalla als Museum bezeichnet, in dem die aufgereihten Bildnisbüsten in Verbindung mit dem komplexen ikonographischen Programm "die Identität der Nation ... in der musealen Summierung der Großen, in der Beziehung auf ihre Geschichte und ihren Mythos" an den reflektierenden Besucher heranträgt. | ||||
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