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Politische Ikonographie >>Nationaldenkmäler >> Die Walhalla als Denkmal der Kulturnation

 

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1. Die Walhalla als Denkmal der Kulturnation

 

 
               
  In Deutschland ist die Walhalla bei Regensburg das erste gebaute Nationaldenkmal. Als der bayrische Kronprinz Ludwig I. im Frühjahr 1807 die Besetzung Berlins durch napoleonische Truppen erlebte, entstand in ihm der Wunsch, den "rühmlichst ausgezeichneten Teutschen" ein Denkmal zu errichten, wenn die "Tage von Teutschlands tiefster Schmach" überwunden wären.

Noch während seines Aufenthaltes in Berlin gab Ludwig die ersten Büsten berühmter Persönlichkeiten der deutschen Geschichte bei den Bildhauern Johann Gottfried Schadow, Christian Daniel Rauch, Friedrich Tieck und Ludwig Wichmann in Auftrag. Die zunächst auf 50 festgesetzte Zahl der Bildnisse wurde bereits 1808 auf 90 bis 100 erweitert. Als Kriterium für die Zugehörigkeit zur deutschen Nation wurde vor allem die Sprache angesehen: "Alle die deutsch reden, glaube ich, sind für Deutsche zu halten ...". Der deutsche Sprachraum war dabei weit gefaßt: Die Schweiz, die Niederlande und das Baltikum wurden aus historischen Gründen dazu gezählt, so daß neben Friedrich I. Barbarossa, Albrecht Dürer und Friedrich Schiller auch Wilhelm von Oranien und Katharina II. von Rußland in die Ruhmeshalle aufgenommen wurden.

Die Büsten sollten in einem "Ehrentempel des Vaterlandes" aufgestellt werden, mit dessen Errichtung 1830 nach den Plänen Leo von Klenzes, des Hofarchitekten Ludwigs I., begonnen wurde. Als Ort war einer der Donauberge in der Nähe von Regensburg ausgewählt worden. Dort errichtete Klenze auf einem mächtigen, an ägyptische Tempelanlagen erinnernden Unterbau einen klassisch-dorischen Ringhallentempel, der über symmetrisch angelegte Treppenläufe, Terrassen und Rampen zu erreichten war.

     
               
           
           
   

Die sakrale Funktion des Tempelbaus wurde bei der Walhalla für den nationalen Gedächtniskult säkularisiert, die antike Formensprache als Ausdrucksträger für nordische Mythologie und deutsche Geschichte verwendet. Während im nördlichen Giebelfeld mit dem Sieg des Cheruskerfürsten Hermann über die römischen Truppen unter Varus an die militärische Überlegenheit der Germanen erinnert wird, ist im südlichen Giebelfeld mit einer allegorischen Siegesfeier der Deutschen nach den Napoleonischen Kriegen die jüngste Befreiung von der Fremdherrschaft thematisiert.

     
               
           
           
   

Auch im Inneren ist der klassizistische Stil mit einem auf die Funktion des Gebäudes abgestimmten Bildprogramm verknüpft. In dem farbenprächtigen, mit verschiedenen Marmorsorten der Umgebung ausgestatteten Innenraum präsentieren sich in strengen Reihen die einförmig stilisierten Bildnisse der berühmten Deutschen, überfangen von einem Fries Martin von Wagners, der die Urgeschichte der Germanen von der Wanderung aus dem Kaukasus bis zur Christianisierung durch Bonifazius zeigt. Klassische Ornamente werden mit Szenen der Edda-Sage kombiniert, Viktorien und Walküren sind übereinander angeordnet.

     
               
           
           
    Auch bei der Namensfindung wird der Bezug auf die beiden, für die deutsche Kulturnation als grundlegend erachteten Traditionen deutlich. Während Ludwig selbst in der Frühphase der Planungen die Bezeichnung "Pantheon der Deutschen" verwendete, wurde schließlich auf Vorschlag des Schweizer Historikers Johannes Müller der Name "Walhalla" gewählt, der in der nordischen Mythologie eine himmlische Königshalle als Versammlungsort für verstorbene Helden bezeichnet.      
               
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