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| Nationaldenkmäler
Einführung
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Das 19. Jahrhundert gilt in Europa als Zeitalter der Nationalstaatsbildung. Der Begriff der Nation wurde zur politisch-kulturellen Leitidee in einer Situation, als nach der französischen Revolution und den Napoleonischen Kriegen nahezu alle europäischen Staaten von umfassenden Veränderungen erfaßt wurden. Es entwickelte sich der heute geläufige Nationenbegriff, der von dem französischen Religionswissenschaftler Ernest Renan 1882 folgendermaßen definiert wurde: "Eine Nation ist eine Seele, ein geistiges Prinzip. Zwei Dinge, die in Wahrheit nur eins sind, machen diese Seele, dieses geistige Prinzip aus. [...] Das eine ist der gemeinsame Besitz eines reichen Erbes an Erinnerungen, das andere ist das gegenwärtige Einvernehmen, der Wunsch zusammenzuleben." Dieses von Renan beschworene, diffuse Gefühl einer nationalen "Solidargemeinschaft" bot den kleinsten gemeinsamen Nenner für die Identitätsbildung der europäischen Staaten, die oft ethnisch gemischt waren, nicht immer über eine einheitliche Sprache oder Konfession verfügten und deren geographische Grenzen - wie die Geschichte gezeigt hatte - alles andere als statisch waren. Die in dieser Phase überall in Europa entstehenden Nationaldenkmäler sind Symbole dieses neuen kollektiven Bewußtseins, das zum Teil regelrecht - nicht zuletzt durch die Denkmäler - produziert wurde. Die Denkmäler nehmen Bezug auf bedeutende historische Ereignisse, große Persönlichkeiten oder geschichtsträchtige Orte, auf die Geschichte also, an der sich die Suche nach einer nationalen Identität konkretisierte. Emotionen waren ein wichtiger Katalysator für die Ausprägung des Nationalbewußtseins. Die Vergangenheit wurde, ungeachtet dessen, ob es sich um reale oder fiktive Begebenheiten handelte, mythisch überhöht und so inszeniert, daß Gefühle und Emotionen der breiten Bevölkerung angesprochen wurden. Die Denkmäler leisteten durch ihre Formensprache, die topographische Lage, die in Verbindung mit Ihnen veranstalteten Feiern, vor allem aber durch ihre permanente visuelle Präsenz in der Öffentlichkeit einen Wichtigen Beitrag zur sinnlichen Vergegenwärtigung des Nationalen. Obwohl der Nationalgedanke für das 19. Jahrhundert prägend war, hat sich dennoch kein einheitlicher Typus des Nationaldenkmals herausgebildet. Es läßt sich weder mit jeder Nation ein bestimmtes zentrales Denkmal verbinden, noch hat sich stilistisch, thematisch oder im Hinblick auf Lage und Nutzung der Denkmäler eine Konvention entwickelt.
Gert Mattenklott, "Denk ich an Deutschland ...", Deutsche Denkmäler 1790 bis 1990, in: Deutsche Nationaldenkmale, Bielefeld 1993, S. 17-49 Etienne François/Hagen Schulze, Das emotionale Fundament der Nationen, in: Monika Flacke (Hrsg.), Mythen der Nationen. ein europäisches Panorama, 2. Aufl. Berlin, München 2001, S. 17-32 |
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