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Vorbemerkung

 

 

 

Druckversion Herrscherporträt  
 

Das Herrscherporträt zeigt eine Person, die die höchste Autorität in einer politischen Gemeinschaft innehat. Es ist die Aufgabe des Bildes, diese Position und Bedeutung des Dargestellten visuell zu vermitteln.

Grundlegend für das Herrscherverständnis - insbesondere im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit - ist die Trennung zwischen Person und Amt. Das Persönliche tritt hinter dem Amt zurück, im besten Fall füllt die Person das Amt zum Wohl der Gemeinschaft ganz aus. Aufgrund seines Amtes verfügt der Herrscher über eine exemte, unantastbare Stellung. Die Trennung von Amt und Person offenbart sich immer dann, wenn der Herrscher persönlich nicht anwesend ist und Stellvertreter seine Rolle einnehmen, wenn z. B. eine fürstliche Vermählung stellvertretend zwischen einem Gesandten des Herrschers und der Braut geschlossen wird, wenn die Stände vor einem Bildnis den Huldigungseid ablegen oder wenn beim Tod eines Herrschers für die Übergangszeit eine Puppe mit seinen Vollmachten ausgestattet wird.

   
  Die Kunst hat zur Visualisierung dieser Differenz zwischen Amt und Person spezifische bildliche Strategien entwickelt - von der Verwendung von Attributen, wie z. B. den Insignien, über die Inszenierung an bestimmten Orten, wie dem Thronsaal, bis zu besonderen Bildformen, die (ursprünglich) nur dem Herrscher vorbehalten waren, wie dem Reiterporträt.    
  Das Herrscherporträt ist in besonderer Weise mit dem politischen Kontext, in dem es entstanden ist, verbunden. So kann der Herrscher sich seinen Untertanen mit einem bestimmten "Image" präsentieren, das sein politisches Selbstverständnis zum Ausdruck bringt, umgekehrt kann aber auch das Volk mit einem Herrscherbild - etwa in Form eines Denkmals - Erwartungen an den Regenten formulieren. Welche Botschaften ein Herrscherbildnis an welche Adressaten richtet, worin die spezifische Wirkungsmacht und Wirkungsabsicht des Herrscherbildes besteht, gilt es im einzelnen zu untersuchen. Dabei ist nicht nur die herrscherliche Differenz zwischen Amt und Person, sondern auch die dem Bild eigene Spannung zwischen Realität und Fiktion von Bedeutung.    
 

 

Literatur
Ernst H. Kantorowicz, Die zwei Körper des Königs: Eine Studie zur politischen Theologie des Mittelalters, München 1994

Andreas Köstler, Das Portrait. Individuum und Image, in: Andreas Köstler und Ernst Seidl (Hg.), Bildnis und Image. Das Porträt zwischen Intention und Rezeption, Köln u.a. 1998,
S. 9-14

Victor I. Stoichita, Imago Regis. Kunsttheorie und königliches Porträt in den Meninas von Vélazquez, in: Zeitschrift für Kunstgeschichte 49 (1986), S. 165-189

siehe auch Einleitung

   
           
   

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