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Die militärische Funktion der Stadtmauer

 
               
 

Die praktische und politische Funktion der Stadtmauer ist evident und fast nicht erklärungsbedürftig: Die Mauer soll die Kommune vor Feinden von Außen schützen. In dieser Funktion mußte die Mauer sich wandeln. Solange Pfeile oder Steine gegen die Stadt geworfen wurden, oder Rammböcke aufgefahren wurden, genügten Erdwälle oder Holzpalisaden. Vielfach nutzte man auch die steinernen Schutzmauern, welche die Römer für ihre Niederlassungen und Kastelle errichtet hatten.

Seit dem 12. Jahrhundert aber gingen die Stadtherren der Städte daran, eigene hohe Mauern zu bauen, am eindrucksvollsten in Deutschland in Köln, wo 1179 mit Einwilligung des Erzbischofs und des Kaisers vom Rhein aus im Halbkreis eine Stadtmauer von 4,6km Länge um den Stadtkern gelegt wurde; als sie um 1250 fertig war, war sie mit 12 Toren und 50 Türmen ausgestattet; auch zum Rhein hin baute man den Mauerring zu. Türme benötigte man an den Toren aber auch gegenüber nahegelegenen Bergrücken, von denen aus die Stadt beschossen werden konnte.

 

     
               
   

  Mauerring - Nürnberg      
           
   

An der Mauer entlang konnte ein vorkragender offener Laufgang oder ein überdachter Wehrgang ( Nürnberg) die Verteidigung gegen Angreifer flexibler und wirksamer machen. Die unmittelbar um den Stadtkörper gelegte Mauer wurde ihrerseits geschützt. Die Stadt besaß vor ihren Toren ein Territorium, das für weiträumigere Schutzmaßnahmen genutzt werden konnte: So konnten vor die Mauer befestigte "Zwinger" angelegt werden oder es konnte ein System von "Warten" zusammen mit Zäunen, Palisaden und Hindernissen eine regelrechte "Landwehr" vor der Stadt entwickeln. Das Stundenbuch des Herzogs von Berry zeigt um 1410 die Situation eines Schlosses, das wie eine Stadt neben der Mauer einen geschützten Umraum hat: Eine Schafsherde umkreist die Mauer, um zu verhindern, daß Büsche oder Bäume heranwachsen, die Feinden in etwa Schutz gegen die Mauerschützen bieten könnten. Damit die Schafe nicht in die Felder gehen, sind diese mit Mauern umgeben.

Die wachsende Schlagkraft der Schußwaffen, die Bedrohung durch Geschütze haben die Befestigungsanlagen entscheidend verändert. Schon im 15. Jahrhundert mußten sie horizontal verstärkt werden ( Nördlingen 1651), denn nicht mehr ihre Höhe war zur Abwehr wichtig, sondern ihre Stärke gegenüber der Durchschlagskraft der Maschinen oder der brechenden Geschütze. Nürnberg legte sich 1452 einen umfassenden zweiten Mauerring von 5km Länge und 123 Türmen und 5 Stadttoren mit Vorwerk zu.

 

     
               
           
           
   

 

Seit dem 16. Jahrhundert ( Dorsten 1645; München), wurden in großen, in der Regel fürstlichen Städten Bastionen angelegt, mit der Folge, daß das Verteidigungsterrain allmählich den Umfang des bewohnten Terrains einnahm. Hamburg hat sich die mächtigste Festung in Europa geleistet. In dieser hypertrophen Gestalt kündigt die Mauer an, wie mächtig die Kräfte schon waren, die schließlich ihr Verschwinden unausweichlich machten.

     
               
           
           
         
               
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