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Die Stadtmauer - ein Piktogramm für "Stadt"

 

 
 

Die Ineinssetzung von Mauer und Stadt wird nicht von wirklicher Erfahrung genährt, denn in unserer Alltagserfahrung ( Chicago) ist die Stadt gerade das Amorphe, das Transitorische, das Ungesicherte, allseits Zugängliche, nicht das Umgrenzte und Befestigte. Trotzdem haben wir in unserem sozialen Gedächtnis eine Erinnerung an eine umgrenzte, bergende Stadt, die uns irgendwie gegen eine fremde Außenwelt schützt.

 

   
  Diese Reduktion des komplexen sozialen Gebildes "Stadt" auf seine Eingrenzung, auf seine Mauer, ist durch alte Wahrnehmungsformen vorbereitet und vorgeprägt. Schon im Altertum verkörperte sich die ganze "Mutter Erde" in der Gestalt der Göttin Cybele, die eine Stadtmauer als "insignitas terrae" (Isidor, Etym. VIII,11,62-66) auf dem Kopf trägt. In der Mauer der Stadt vor allem symbolisierte sich gesellschaftliche Existenz schlechthin.    
Rundmauer - Mailand 1472   Im Mittelalter ist die Stadtmauer auf Münzen und Siegeln, auf Leuchtern und Kronen das immer wieder eingesetzte Ideogramm für die Stadt. Wenn man "Rom" oder "Mailand" (1472) meinte, dann genügte eine umfassende Rundmauer, die ein fast dörfliches Ambiente umschließen konnte.    
           
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