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Politische Architektur

 

 
  Unter den künstlerischen Gattungen, die in alteuropäischen Gesellschaften politisch relevant geworden sind, spielt die Architektur schon aus ökonomischen Gründen eine Hauptrolle. Das Bauen war schon für sich als eine segensreiche staatliche Maßnahme: "Denn er war ein friedlicher Fürst, und der es dafür hielt, daß man viel armen Leuten damit dienet, wenn man bauet", so heißt es im 16. Jahrhundert von dem sächsischen Kurfürsten Friedrich dem Weisen.(2) Die fürstliche Bautätigkeit umfaßte sowohl sicherheitspolitische Maßnahmen wie Festungs-, Grenz- oder städtischen Mauerausbau, als auch infrastrukturelle Maßnahmen im Straßen-, Lager- oder Wasserbauwesen.    
  Wenn man im späten Mittelalter den Turmbau zu Babel darzustellen hatte, lässt man ihn gerne unter der Aufsicht und in der Gegenwart des Königs Nimrod aufwachsen, wohl weil man sich eine so große Unternehmung ohne staatliche Bauherrschaft nicht vorstellen konnte. An der Bedeutung des baulichen Sektors, der durch große Behörden und Ministerien sowie durch umfangreiche Gesetzeswerke immer noch erweitert wurde, hat sich bis heute kaum etwas geändert.    
 

An dem biblischen Beispiel vom Turmbau zu Babel zeigt sich auch eine andere Eigenart herrschaftlichen oder staatlichen Bauens, die mit rein pragmatischen Zwecken nur wenig noch zu tun hat. Staatliche Bauten können in Gestalt und Größe Formen annehmen, die von den Bauzwecken nicht mehr abzuleiten sind. Es kommt immer wieder vor, daß Staaten selbst Nutzbauten, wie Staudämme oder Kraftwerke, so aufführen, dass sie die größten der Welt sind, auch wenn ihr energiepolitischer und ökologischer Sinn umstritten ist.

 

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2 Dazu: Martin Warnke: Hofkünstler. Köln, 1985. S.

   
           
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